Panj River, Takikistan/Afghanistan

In Rufweite zu Afghanistan: Auf dem Pamir Highway durch das Panj-Tal

Die ersten paar Stunden nach Dushanbe geht die Fahrt größtenteils durch staubige, heiße Tiefebenen. Auch das ist Tadschikistan. Der Honda schnurrt dahin, ich bin froh über die funktionierende Klimaanlage. Die lange Zwangspause in Dushanbe und der abrupte Abbruch unserer ursprünglichen Reisepläne haben mir doch ziemlich zugesetzt. Um so froher bin ich, nun wieder die Landschaft an mir vorbei ziehen zu sehen.

Endlich raus aus Dushanbe!

route from Dushanbe to Khorog, Tajikistan
Der erste Teil des Pamir Highway: Dushanbe – Kulob – Kalai Kumb – Khorog

Hinter der Stadt Kulob beginnt die Straße, stetig anzusteigen. Es geht auf angenehm kühle 2.000 Meter. Der richtige Zeitpunkt für eine Pause. Ich riskiere einen kritischen Blick unters Auto. Die geschweißte Hinterachsaufnahme sieht noch immer gut aus. Ich werde mich in den nächsten Tagen bei jeder sich bietenden Gelegenheit unters Auto legen und checken, ob alles noch ganz ist. Ein bisschen paranoid hat mich die Aktion ja schon gemacht.

welded subframe mount
Hält hoffentlich über den Pamr Highway und weitere Reisen: In Tadschikistan geschweißte Achsaufnahme

Kurz hinter dem Pass taucht der erste von vielen Militär-Checkpoints auf. Ich bin gerade in die Region Gorno-Badachschan eingereist. Sie ist teilweise autonom vom Rest des Landes, aber Tadschikistans Regierung möchte anscheinend genau wissen, wer sich dort wann wohin bewegt. Ich habe, weil es als Best Practice unter Reisenden gepredigt wird, einen dicken Stapel Kopien dabei von Pass,Visum, Führerschein, Fahrzeugdokumenten, einem Übersetzungsdokument und dem GBAO-Permit. Das nimmt den Beamten Arbeit ab und sorgt hoffentlich für eine schnelle Abfertigung. Es funktioniert: Ein kurzer Blick in die Dokumente und die Schranke öffnet sich.

Der schöne Teil des Pamir Highway beginnt

In Serpentinen geht es den Berg runter. Und: Wow! Vor mir öffnet sich eine weite Ebene, umrahmt von rotbraunen Bergen, unten am Fluss ist es grün: Das Panj Tal. Der Panj ist ein Grenzfluss, die Berge auf der anderen Seite gehören zu Afghanistan. Vor der Reise habe ich viele Reiseberichte zu diesem Abschnitt des Pamir Highway gelesen. In live ist es noch mal viel schöner, als auf Bildern.

Panj Valley
Das Panj-Tal. Links Tadschikistan, rechts Afghanistan.

Mit jedem Kilometer wird das Tal etwas enger. Irgendwann wäre das afghanische Ufer in Rufweite, wenn der Fluss nicht so tosen würde. Ich bin, nach allen Horrorstories über den Straßenzustand, angenehm überrascht von dem zunächst topfebenen Asphalt. Vielleicht genieße ich die Kurven ein bisschen zu sehr, in einem der Dörfer werde ich heraus gewunken. 20 zu schnell, aber man belässt es bei einer Verwarnung.

In der Abenddämmerung erreiche ich das Städchen Kalai Kumb. Ein wuseliger kleiner Ort. Eigentlich ganz einladend, aber ich bin nach der Fahrerei einfach zu durch für Gewusel. Der Stellplatz App folgend fahre ich ein paar Kilometer in ein Seitental und mache es mir an einem Bach gemütlich. Als es abends dunkel wird, staune ich nicht schlecht: An dem, was ich für eine Lagerhalle hielt, erleuchtet ein grelles Werbeschild: „Pamir King Salmon“. Ich hätte hier ja einiges erwartet, aber eine Lachsfarm?! Leider ist es zum Angeln schon zu dunkel.

Es wird wild

Holperig, aber: Diese Aussicht!

Nach einigen Kilometern auf brandneuem, chinesischem Asphalt tauchen nun doch noch die versprochenen Schlaglöcher auf. Schließlich wird aus der Schlaglochpiste Geröll mit ein paar Rest-Asphaltinseln. Teilweise geht es nur mit Schrittgeschwindigkeit voran. Trotz weit verbreiteter Meinung erfordert aber auch diese Piste definitiv keinen Geländewagen. Das Gerumpel hat aber auch etwas Gutes: Man hat bei dem langsamen Tempo mehr Muße, die schroffe Landschaft zu genießen. Blickt man nach Afganistan rüber, sieht man eine noch viel verwegener in das Felsufer gehauene Straße als diesseits des Flusses.

Afghanistan, seen from the Tajik side of the Panj river
Die Piste auf der afghanischen Seite sieht noch mal eine ganze Ecke abenteuerlicher aus, als der Pamir Highway diesseits des Panj

Irgendwann dann eine Straßensperre. Dieser Teil des Pamir Highway wird gerade im Eiltempo ausgebaut — wie in so vielen Ländern unter der Federführung chinesischer Straßenbaukonzerne. Jedenfalls muss immer wieder der Fels gesprengt werden, um Platz für eine Straße zu schaffen, auf der auch mal zwei LKWs ohne Rangieren aneinander vorbei passen. Ich habe Pech, zehn Minuten zuvor wäre ich noch durchgekommen. Nun heißt es etwa zwei Stunden warten, so wie der Schranken-Wächter zur Erklärung eine Uhr in den Sand zeichnet. Ich nutze die Wartezeit für einen Spaziergang. Und bemerke: Ich werde beobachtet. Ich hatte mich schon gewundert, wie unbewacht diese Landesgrenze scheinbar ist. Nun aber sehe ich ab und an einen Kopf mit Militärmütze hinter den Geröllhaufen neben der Straße aufblitzen und sogleich wieder verschwinden. So ganz unbewacht ist es hier dann wohl doch nicht.

lunch at a road block, Tajikistan
Straßensperre wegen Sprengarbeiten: Schön, wenn man die eigene Küche immer dabei hat.

Die Sonne geht gerade hinter dem Tal auf und taucht die Felswände in alle möglichen Rot- und Braunschattierungen. Vom tosenden Fluss steigt Sprühnebel empor. Ich bin froh, hier zur Pause gezwungen worden zu sein, sonst hätte ich diese Stimmung wahrscheinlich verpasst. Irgendwann erschüttert ein donnerndes „Kawumm“ das Tal. Es scheint vorwärts zu gehen mit den Spengungen. Ich kehre zum Auto zurück und bereite mir — unter den belustigten Augen der anderen Autofahrer, die sich mittlerweile angestaut haben — ein frühes Mittagessen. Und wie sollte es anders kommen: Als ich mich mit meiner Nudelschale hinsetze, wird die Schranke angehoben. Ein Bauarbeiter gestikuliert, ich soll mich beeilen. Bald soll wohl wieder gesperrt werden. Ich werfe die Küchensachen fix ins Auto und brause los. Schnell vorbei an einem großen Bagger 20 Meter oberhalb der Straße, der immer wieder Mini-Lawinen in Richtung Straße losbaggert.

Ein paar Kilometer weiter halte ich an einer Ausbuchtung, um fertig zu essen. Ein LKW nähert sich von hinten und hält ebenfalls. Der Fahrer ruft mir etwas entgegen, das ich zwar nicht wörtlich verstehe, aber er will eindeutig wissen, ob ich ein Problem mit dem Auto habe. Mit Daumen hoch und Kopfschütteln verneine ich. Der Trucker hebt ebenfalls den Daumen und fährt wieder an. Da war er wieder, der tadschikische Sinn für Zusammenhalt.

Sunrise above the Panj valles, Tajikistan/Afghanistan
Sonnenaufgang über dem Panj-Tal

Rast am Fuße des Pamir

Irgendwann wird das Tal wieder weiter, die Landschaft grüner. Die ersten Dörfer tauchen auf. Wenig später hat auch die Rumpelei ein Ende, ich fahre wieder auf Asphalt. Nach einem langen Fahrtag erreiche ich schließlich Khorog. Khorog ist eine sympathische, an einer malerischen Flussgabelung gelegene Kleinstadt, und das Tor zum Pamir-Gebirge. Es gibt eine ganze Reihe von Autowerkstätten und Teileläden, in denen man sein Vehikel fit für die Strapazen des Hochgebirges machen kann (oder die Schäden danach beseitigen). Auf einem großen Basar hat man die letzte Gelegenheit vor der kargen Hochebene, sich mit Lebensmitteln, Klamotten, Werkzeug und allem erdenklichen Geraffel frisch aus China einzudecken. Ich besorge: Einen Haufen Wurzelgemüse, Konserven, Brot, Gewürze, ein paar Snacks, einige Kanister Trinkwasser. Außerdem Scheibenwaschwasser (mit Himbeerduft!).

Abendstimmung in Khorog, dem Tor zum Pamir

Eine Nacht bleibe ich in Khorog, bevor es endlich ins hohe Gebirge geht. Ich kehre ein in ein bei Globetrottern beliebtes Homestay. Außer mir sind neben einer spanischen Bike-Packerin noch ein paar Deutsche in zwei riesigen, voll ausgestatteten Reise-LKWs. Als ausgerechnet die mir beklagen, wie anstrengend und entbehrungsreich das Reisen in diesem Teil der Welt ist, kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Letzter Teil: Hoffen und Bangen in Dushanbe, Teil 2
Nächster Teil: Hochgebirge im Schnelldurchlauf: Der hohe Pamir


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert