Auf nach Zentralasien!

Wer mir auf Instagram folgt, hat die Katze schon aus dem Sack hüpfen sehen: Unsere große Reise in Etappen beginnt in Zentralasien. Für Abenteurer aus Mitteleuropa, die auf eigener Achse reisen, bieten sich die Stans quasi an: Ohne Fährverschiffung oder allzu komplexe Zoll-Bürokratie mit dem eigenen Fahrzeug erreichbar, dennoch landschaftlich und kulturell eine ganz andere Welt. Vor allem: wunderschön. Eine jüngere Version von mir backpackte 2009 schon einmal durch Kirgistan. So spannend die Reise in klapprigen Audi-Sammeltaxis und bis unters Dach vollgestopften Marshrutkas (in Europa ausgemusterte Überland-Minibusse) damals war: Ich wünschte mir immer mal wieder, in der Kurve mit der tollen Aussicht oder neben der Jurte am See spontan anhalten und unser Nachtlager aufschlagen zu können. Sprich: Hier mit einem eigenen Fahrzeug zu reisen, und komplett frei zu entscheiden, wann wir wie lange wo bleiben. Nun, 16 Jahre später, wollen wir die Idee in die Tat umsetzen und Zentralasien mit dem eigenen Fahrzeug bereisen.

Der Plan für den ersten Abschnitt unserer großen Reise in Etappen: Ich fahre alleine in Berlin los und in strammen zwei Wochen 6.000 Kilometer bis Samarkand in Usbekistan. Dorthin kommen dann die junge und die große Co-Pilotin von zu Hause hinterher geflogen. Zusammen wollen wir Samarkand und das westliche Tadschikistan erkunden, und schließlich über den Pamir Highway bis nach Kirgistan fahren. Am Ende der Sommerferien fahre ich — wieder alleine — bis nach Almaty in Kasachstan weiter, wo ich unser Reisemobil bis zum nächsten Jahr einlagere.

Die lange Anreise nach Zentralasien: Berlin, Warschau, Vilnius, Minsk, Moskau, Samara, Aqtobe, Taschkent, Samarkand. (Bildquelle: Graphhopper)

Aber zurück zu den Vorbereitungen. Zu Hause geht es mit der ersten Hürde los: Wer von Deutschland aus halbwegs komplikationsfrei nach Zentralasien fahren möchte, komm derzeit nicht an Russland vorbei. Grundsätzlich hat man die Wahl, entweder nördlich ein relativ langes Stück durch Russland über Moskau, oder südlich einen kürzeren Transit zwischen Georgien und Kasachstan, entlang des kaspischen Meers zu fahren. Da ich mit knapp bemessener Zeit unterwegs sein werde, entscheide ich mich für die insgesamt etwa tausend Kilometer kürzere Nordroute über Moskau.

Trotz des Kriegs macht es Russland Reisenden nicht schwerer als sonst, an ein Visum zu kommen. Was nicht heißen soll, dass es unkompliziert ist! — Es geht damit los, dass man nach Russland eingeladen werden muss, um an ein Touristenvisum zu kommen. Wie praktisch (oder mafiös?), dass sich einige Reiseagenturen auf die Ausstellung dieser Einladungen gegen Geld spezialisiert haben. Also Einladung und allerhand anderen Papierkram besorgt, und damit zum Büro des Dienstleisters in Berlin, der für die Botschaft die Visaanträge entgegen nimmt. Eine Woche später habe ich das Visum im Pass.

Die mit einer Russland(durch)reise verbundene Bürokratie mag zunächst einschüchternd wirken. Doch etwas Recherche nimmt dem Ganzen schnell den Schrecken. Eine tolle Quelle für alle erdenklichen Informationen für Russland-Reisende ist Irenas Seite russlande.de.

Dann steht da noch ein ganzer Rattenschwanz an Recherche: Wo am besten nach Russland einreisen? (Spoiler: Richtig angenehme und schnelle Grenzübergänge aus der EU kommend gibt es nicht. Wenn das Grenzprozedere nur Stunden und nicht Tage dauert, ist man auf der Gewinnerseite.) Auf welche Fragen sollte ich vorbereitet sein? Wo ausreisen? Welche Papiere brauche ich, wie läuft das mit der Einfuhr des Autos? Wie mache ich das mit dem Geld, wenn ich keine Euros ausführen darf, aber in Russland wegen der Sanktionen kein Geld am Automaten bekomme? (Antwort: Ein nicht zu dünn bemessenes Bündel Dollar, das auch für ungeplante Notfälle reicht.) Die Recherche ist für mich ja immer schon ein interessanter Teil der Reise. Aber das hier ist echt noch mal eine andere Nummer.

Robust, günstig, einfach zu reparieren und schafft auch fiese Pisten: Unser ideales Overland-Mobil, ein Honda CR-V von 1998.

Unser Reisemobil, ein Honda CR-V von 1998, habe ich über die letzten Monate reisefertig gemacht: Ich habe so ziemlich alle Verschleiß- und Motoranbauteile vorsorglich getauscht, stärkere Federn eingebaut, gute Geländereifen aufgezogen, ein Euroboxen-Regal und eine einfache Stromversorgung mit Powerbanks eingebaut, und dem ganzen noch ein großes Dachzelt aufgesetzt. Und alle möglichen Kleinigkeiten beseitigt, die an einem 27 Jahre alten Auto halt so anfallen. An dieser Stelle bin ich jedenfalls froh, schon einige Jahre Erfahrung im Reisen mit verschiedenen Camping-Mobilen gesammelt zu haben: Ich weiß ganz gut, was wir brauchen werden, was sinnvoll ist und was überflüssig. So habe ich neben dem ganzen Aufwand nicht auch noch die Unsicherheit, ob das Setup denn so wirklich für uns funktionieren wird. Ich meine, wir haben mit dem Honda das für uns perfekte Auto für die große Reise: Gerade groß genug für drei Leute und Gepäck, mit langlebiger und einfacher japanischer 90er Jahre Mechanik, weltweit verbreitet und geländegängig genug für so ziemlich alles, was man so fährt, so lange offroad Fahren nicht Selbstzweck der Reise ist. Und, ganz wichtig: Nicht zu teuer, sodass ich keine schlaflosen Nächte haben muss, wenn das Auto während wir zu Hause sind irgendwo in der Ferne geparkt steht.

Der Honda ist gepackt. Klamotten, Campingzeugs, Proviant, Elektronik, allerhand Papierkram, Karten, Wasser, Hundefutter für Streuner. Mit Vorfreude und auch ein wenig Respekt vor der langen Anreise setze ich mich hinters Steuer.


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