Es gibt viele gute Gründe, die Reise zu unterbrechen. Unsere große Reise in Etappen funktioniert nur, weil wir unser Auto immer wieder im Ausland unterstellen, bis es wieder weiter geht. Dabei gibt es einiges zu beachten, und auch ein paar Fallstricke. Ich konnte mittlerweile Erfahrung im Einlagern sammeln, und habe zu dem Thema viel recherchiert. Dieses Wissen möchte ich hier weiter geben. Ich will versuchen, diesen Artikel aktuell zu halten, und falls nötig zu vervollständigen. Zuerst erkläre ich ein paar grundsätzliche Dinge und gehe dann weiter unten auf die Regionen ein, in denen ich entweder selbst schon das Auto eingelagert, oder intensiv dazu recherchiert habe.
Grundlegendes: So führt ihr euer Reisefahrzeug in ein fremdes Land ein
Bevor wir uns mit den Einzelheiten und der Bürokratie hinter einer Einlagerung im Ausland befassen, lasst uns erst mal ein paar Grundlagen klären. Es gibt nämlich grundsätzlich zwei Möglichkeiten, ein Auto als Reisender in ein fremdes Land einzuführen: Mit einem Carnet de Passages oder über einen sogenannten temporären Import. Bei beiden Varianten ist die Zeit, in der sich euer Auto in dem jeweiligen Land aufhalten darf, begrenzt.
Einreise mit Carnet de Passages
Dazu, wie Carnets de Passages funktionieren, gibt es viele ausführliche Quellen, wie z.B. den ADAC. Deswegen fange ich hier zu dem Thema nicht bei Null an. Kurz: Ein Carnet de Passages ist ein Dokumenten-Heftchen, das euch in Ländern, die es akzeptieren oder sogar erfordern, eine Verzollung des Fahrzeugs abnimmt. Dafür hinterlegt ihr beim Anbieter des Carnets einen Pfand. Reist ihr mit Carnet de Passages ein, ist die Sache in der Regel einfach: Die Gültigkeitsdauer des Carnets (meist ein Jahr) gibt den maximalen Aufenthaltszeitraum für euer Fahrzeug vor. Eine Ausreise ohne Fahrzeug während dieser Zeit ist in der Regel problemlos möglich. Je nach Land ist es sogar innerhalb des Landes, also ohne Ausreise (siehe weiter unten), möglich, beim Zoll auf ein neues Carnet umzustempeln, und somit das Fahrzeug auch länger als ein Jahr im Land zu lassen.
Hier noch ein Hinweis aus eigener Recherche-Erfahrung: Es kursieren mehrere, sich zum Teil widersprechende Listen, welche Länder ein Carnet de Passages zwingend vorschreiben. In einigen Ländern, die auf diesen Listen stehen, kann man, z.B. durch die Hinterlegung eines Pfands oder einen Agenten, der für einen bürgt, um den Carnet-Zwang herum kommen. Hier lohnt sich eine etwas ausführlichere Recherche und der Austausch mit in der jeweiligen Region erfahrenen Reisenden.
Temporärer Import

Reist ihr nur durch Länder, die kein Carnet de Passages verlangen, werdet ihr euch dieses teure Vergnügen wahrscheinlich sparen. Die meisten Länder erlauben nämlich für einen begrenzten Zeitraum die Einfuhr eines Fahrzeugs, ohne, dass dafür Zollgebühren fällig werden. Das Ganze nennt sich Temporärer Import und wird mit einem temporären Importdokument, kurz TIP (temporary import permit), bzw. einfach einem Vermerk im Zollsystem besiegelt. Jedes Land hat hier seine eigenen Regeln. Die Gültigkeitszeiträume der TIPs bewegen sich in den meisten Fällen zwischen 30 Tagen und einem Jahr.
Ihr möchtet länger bleiben?
Ihr wollt länger als die TIP-/Carnet-Maximaldauer im Land bleiben? Was Ausländer, denen das Visum abläuft, gerne machen, ist für Fahrzeuge natürlich auch möglich: Ein Border Run, also einmal aus- un wieder einreisen. Bei Wiedereinreise wird ein neues Importdokument ausgestellt, bzw. ein neues Carnet gestempelt, die Zeit beginnt von Neuem zu laufen. Hier ist nur wichtig, eure persönlichen Einreiseregularien für das Land der Wahl zu checken (–> Ist eine Mehrfacheinreise möglich? Braucht ihr ein neues Visum?).
Ein geeignetes Lager finden
Nachdem ihr die Bürokratie geklärt habt, ist die logische nächste Frage: „Wo stelle ich mein Fahrzeug unter?“ Das ist mitunter gar nicht so leicht, schließlich habt ihr in euer Reisefahrzeug viel Geld, Mühe und Zeit gesteckt, und möchtet es nicht irgendwem anvertrauen. Zudem hat man in einem fremden Land meist noch kein Netzwerk aus Bekannten, die helfen könnten. Zum Glück kann man zumindest in unter Overlandern beliebten Reiseländern auf Erfahrungen anderer zurück greifen, und sich Lagermöglichkeiten empfehlen lassen. Die besten Quellen hierfür sind regionale Overlander-Chat- und Facebook-Gruppen, Foren und spezielle Apps. Werft hier am besten einen Blick in die Linksammlung weiter unten.

Bei allem Vertrauen: Trefft mit eurem Stellplatz-Betreiber unbedingt eine schriftliche Vereinbarung, in der ihr die Rahmenbedingungen (Preis, Dauer, Daten zu eurem Fahrzeug, geleistete Anzahlung, etc.) festhaltet, und die euch bescheinigt, dass der Betreiber in Obhut eures Fahrzeugs ist. Vermeidet möglichst eine Komplettzahlung im Voraus. Zum Einen ist euer Reisemobil wahrscheinlich ein Zigfaches des Mietpreises wert, und der Vermieter hat so eine zusätzliche Motivation, euch euer Mobil wohlbehalten wieder zurück zu geben. Klärt auch, ob das Fahrzeug während eurer Abwesenheit eventuell bewegt werden muss, und was es dabei zu beachten gibt.
Manche Länder machen Vorgaben, wo das Fahrzeug untergestellt werden muss (z.B. in vom Zoll betriebenen/genehmigten Lagern). Da erübrigt sich die Frage natürlich.
Die Kosten
Was kostet der Spaß? Das kommt natürlich zum einen total auf die Region an, aber auch auf die Ausstattung des Stellplatzes (außen/innen? beheizt? gesichert? etc), sowie natürlich, wie viel Raum euer Fahrzeug einnimmt. Allgemein sind (Euro-) Preise im zwei- bis niedrigen dreistelligen Bereich pro Monat weit verbreitet. Beispiele meinerseits aus Zentralasien: Für einen überdachten Stellplatz in Kasachstan habe ich für unseren Honda 70 Euro pro Monat bezahlt und für einen sicheren Platz unter freiem Himmel in Kirgistan 35.
Technische Vorbereitungen
Fahrzeuge sind unterschiedlich, und brauchen z.T. unterschiedliche Maßnahmen vor einer vorübergehenden Stilllegung. Das kann und möchte ich hier nicht mit Anspruch auf Vollständigkeit zusammen fassen. Womit ich gut gefahren bin bisher: Ölwechsel, mit dem besten verfügbaren Sprit den Tank randvoll machen (verhindert Rostbildung und Verdunstung von einzelnen Bestandteilen des Treibstoffs), Reifen auf den darauf angegebenen Maximaldruck aufpumpen (gegen Standplatten), Batterie abklemmen. Hat euer Stellplatz-Vermieter ein Erhaltungsladegerät? Noch besser, so ist eure Batterie noch frisch, wenn ihr wieder kommt.

Falls ihr über den Winter einlagert: Checkt die Wetterstatistik! Wie kalt kann es werden? Stellt unbedingt sicher, dass der Frostschutz in der Kühlflüssigkeit ausreicht, damit der Motor nicht einfriert. Tückischerweise ist es in manchen Regionen, in denen die Sommer besonders heiß sind, im Winter auch besonders kalt. Das hat mal als Sommer-Reisender unter Umständen gar nicht so auf dem Schirm. In Kasachstan z.B. kann es im Winter gerne mal -30 Grad oder noch kälter werden.
Wo ist was möglich (Europa/nördliches Asien)?
EU-Ausland
Hier steht euch, sofern euer Fahrzeug innerhalb der EU zugelassen ist, alles offen, denn die EU-Freizügigkeit gilt auch für Fahrzeuge. Sprich: Ihr könnt in der EU wo ihr wollt so lange ihr wollt euer Fahrzeug abstellen, und das komplett bürokratiefrei. (Der Vollständigkeit halber: Wenn ihr euren Wohnsitz zwischen EU-Ländern verlagert, gelten andere Regeln. Aber hier geht es ja ums Reisen.)
Für nicht in der EU zugelassene Fahrzeuge gilt meiner Recherche nach grundsätzlich eine maximale zollfreie Importdauer von 180 Tagen, sofern ihr selbst keinen Wohnsitz in der EU habt.
Türkei
Die Türkei erlaubt generell eine Einfuhrdauer von bis zu drei Monaten für Personen ohne Wohnsitz im Land. Allerdings hängt an einer Einlagerung, bei der ihr selbst das Land verlasst, ein bürokratischer Rattenschwanz: Ihr müsst eine Genehmigung der Zollbehörde einholen, bei der ihr einen stichhaltigen Grund für eure Ausreise ohne Fahrzeug angeben müsst und die Adresse, an der das Fahrzeug eingelagert wird. Vorsicht: Ob ihr mit einem Auto eingereist seid, haben die Behörden im System, und auch auf dem Einreisestempel in eurem Pass ist das anhand eines Auto-Symbols zu erkennen. Also am besten nicht ohne das offizielle Prozedere euer Glück versuchen. Kurz: Es ist möglich, aber bürokratisch. Eine Einlagerung in einem der Nachbarländer (EU, s.o., Armenien, s.u.) ist einfacher.
Georgien
Hier sind die Dinge etwas einfacher: In Georgien dürft ihr euer Fahrzeug für maximal 90 Tage zollfrei einführen und auch alleine lassen, und zwar ohne das im Voraus genehmigen lassen oder anmelden zu müssen. Überschreitet ihr die 90 Tage, wird pro Tag eine geringe Strafe fällig und die Gesamtstrafe ist auf einen Maximalwert gedeckelt. Manche Reisende nehmen das in Kauf, überziehen und bezahlen bei Ausfuhr einfach die Strafe.
Eurasische Zollunion: Armenien, Kasachstan, Kirgistan, Russland, Belarus
Hier wird es interessant, besonders für Kaukasus- und Zentralasien-Reisende. Denn in der eurasischen Zollunion ist eine zollfreie Einfuhr bis zu einem Jahr lang möglich.
So funktioniert die Zollunion: Die Mitgliedsstaaten teilen sich ein Zollgebiet. Über die Grenzen innerhalb der Zollunion dürfen Waren frei bewegt werden, ohne, dass etwas verzollt werden muss. Also ähnlich wie in der EU, wobei es i.d.R. trotzdem umfangreiche Grenzkontrollen gibt.
Das bedeutet für euch: Das TIP, das ihr bei der Einreise in die Zollunion bekommt, gibt den Zeitraum vor, innerhalb dessen sich euer Fahrzeug in der Zollunion aufhalten darf, bevor es in ein Land ausgeführt werden muss, das kein Mitglied ist (also z.B. von Armenien nach Georgien oder von Kirgistan nach Usbekistan). Das Zolldokument kann für eine Dauer von bis zu einem Jahr ausgestellt werden. Dabei haben die Grenzer allerdings Ermessensspielraum (mir z.B. wurden bei der Einreise nach Belarus nur sechs Wochen gestattet und von Tadschikistan nach Kirgistan ein ganzes Jahr). Ich habe mehrere Berichte von Reisenden gelesen, die auf Nachfrage ein volles Jahr auch an Grenzübergängen bekommen haben, an denen das nicht Standard ist. Ein paar Argumente vorzubereiten, kann also nicht schaden.
Die eurasische Zollunion ist damit wahrscheinlich die beste Option, euer Fahrzeug im Kaukasus oder in Zentralasien z.B. über den Winter einzulagern.
Mongolei
Die Mongolei erlaubt die Fahrzeugeinfuhr für bis zu ein Jahr, es gab auch schon Reisende, die das Importdokument erfolgreich im Land verlängern konnten.
Wo erfahre ich mehr zu meiner Reiseregion?
Klar ist, dass dieser Artikel nur ein Anfang einer Recherche sein kann. Darum möchte ich euch ein paar Quellen(sammlungen) ans Herz legen:
- WhatsApp-Gruppen: Mittlerweile gibt es zu jeder Reiseregion, z.T. auch für einzelne Länder, eigene WhatsApp-Gruppen für Overlander. Eine tolle Möglichkeit, sich nicht nur Empfehlungen zu holen, sondern auch, um immer auf dem neuesten Stand über die bereiste Region zu bleiben. Eine Auflistung verschiedener Gruppen findet ihr hier.
- Facebook-Gruppen: Auch hier gibt es Overlander-Gruppen zu einzelnen Regionen. Im Gegensatz zu WhatsApp weniger tagesaktuell, aber dafür könnt ihr in einem reichen Informationsschatz, der sich meist über Jahre angesammelt hat, stöbern und suchen. Um Gruppen zu finden, sucht am besten nach „Overlanding [Name der Region auf Englisch]“.
- iOverlander: Ein kartenbasiertes Portal für Abenteuerreisende. Auf der Karte könnt ihr nach der Kategorie „Vehicle Long Term Storage“ für Stellplätze filtern und die Rezensionen anderer Reisender lesen. Die Webseite ist nach wie vor umsonst vollumfänglich nutzbar, in der mobilen App hat sich leider eine etwas fragwürdige Preispolitik eingschlichen für ein Projekt, das von Community-generierten Daten lebt.
- Foren: Ja, die gibt es immer noch. Und haben teilweise richtig wertvolle Informationen. Besonders ans Herz legen kann ich hier einmal das Horizons Unlimited Forum (eine Institution unter Motorrad-Globetrottern, aber offen für alle Reiseformen und unterteilt in Regionalforen), sowie speziell für Zentralasien Caravanistan (neben dem Forum bietet die Seite auch eine tolle Informationssammlung zu allen erdenklichen Aspekten des Reisens in Nord- und Zentralasien).
Wo hast du selbst denn schon dein Fahrzeug eingelagert?
Selbst untergestellt habe ich mein Auto bisher zwei Mal:
Einmal in Almaty bei Din Jeep Trip. Eigentlich ist das ein regionaler Offroad-Reiseveranstalter. Geschäftsführerin Kristina ist aber umtriebig und bietet auf ihrem Privatgelände auch ein paar überdachte Stellplätze zur Miete an. Den Platz kann ich wärmstens weiter empfehlen: Unser Honda stand ein gutes halbes Jahr dort. Währenddessen hat mich Kristina per WhatsApp auf dem Laufenden gehalten, war immer für Fragen erreichbar und hat mir auch eine vertrauenswürdige Werkstatt für Reparaturen organisiert und mit der kasachischen Autobahnmaut (die zu bezahlen ist gar nicht so trivial) geholfen.

Aktuell steht unser Reisemobil bei Beki in Osh, Kirgistan. Beki betreibt einen Zeltplatz im Obstgarten und bietet auch Stellplätze an. Da ich das Auto noch nicht wieder abgeholt habe, ist meine Erfahrung noch nicht vollständig. Bisher habe ich aber ein gutes Gefühl bei der Sache. Ich werde den Artikel mit Kontaktdaten updaten, sobald bei der Abholung alles gut gelaufen ist. Bis dahin meldet euch bei Interesse gern bei mir.
Dann kenne ich noch Camping 3Gs in der Nähe von Jerewan, Armenien. Neben der Stellplatzvermietung auch ein sehr angenehmer Campingplatz mit Pool und ein beliebter Treffupunkt unter Overlandern. Hier haben Reisebekanntschaften von uns erfolgreich ihr Reisemobil eingelagert. Hier entstand übrigens 2022 der Zündfunke unserer Idee, die Welt in Etappen zu bereisen!


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