Sixth of the seven lakes, Tajikistan

Sieben Seen und eine Rumpelpiste: Angekommen in Tadschikistan

Die Grenze nach Tadschikistan verläuft entspannt. Die Copilotinnen müssen Zentralasien-typisch durch die separate Fußgängerabfertigung, während ich das Auto über die Grenze befördere. Nach etwas Zuständigkeiten-Pingpong zwischen Zoll, Straßenbehörde und verschiedenen Gebühren an verschiedenen Zahlstellen sind wir nach einer guten Stunde im Land. Im Grenzort Pandschakent erledigen wir den üblichen Kram: Lokale SIM-Karten werden besorgt und eine Autoversicherung abgeschlossen. Beides ist fix erledigt, danach gönnen wir uns noch Samsas (die zentralasiatische Variante der indischen Samosa, gefüllt mit verschiedenen Fleisch- und Gemüsesorten, aber immer mit reichlich Öl) und einen Tee. Endlich haben wir es geschafft in das höchstgelegene Land der Stans, für das wir die ganze Anreise überhaupt auf uns genommen haben. Seit 16 Jahren träume ich schon von Tadschikistan, seitdem wir in einem kirgisischen Guesthouse auf eine begeiserte Reisegruppe trafen, die gerade über die Grenze kam und uns von den Pamir-Bergen vorschwärmte.

Unser erstes Ziel in Tadschikistan: Die Seven Lakes, eine Reihe kleiner, malerischer Seen im Fan-Gebirge in Tadschikisans Norwesten. Von der usbekischen Grenze sind sie in wenigen Stunden Fahrzeit erreichbar. Die asphaltierte Straße wird irgendwann zur Rumpelpiste, bald tauchen die ersten Serpentinen auf. Irgendwann strahlt uns der erste der sieben Seen in einem tiefen Blau entgegen. Ein toller Kontrast zu den kahl-braunen Felshängen rundherum.

Road alongside the seven lakes. Tajikistan
Atemberaubende Landschaft. Einen Stellplatz zu finden, ist in dem engen Tal aber gar nicht so leicht. (Foto: Julia Schoon)

So schön es hier ist, wir haben langsam genug vom Fahren und halten die Augen offen nach einem schönen Stellplatz. Doch das ist gar nicht so leicht: Die Seen sind durch Erdrutsche aufgestaut und liegen in sehr engen Tälern. Die Piste ist zum großen Teil in den Fels neben den Seen gehauen. Die meiste Zeit gibt es damit zwischen Straße und Wasser nicht viel mehr als steilen Abhang. Am Ende des zweiten Sees tut sich ein Geröllfeld mit ein paar Büschen auf. Wir biegen ab. Und wir sind nicht allein: Außer uns hat sich noch eine Familie zum Picknick eingefunden. Kaum habe ich den Motor abgestellt, kommt der Vater auf mich zu und begrüßt uns herzlich. Wir bekommen erst mal ein große Weintrauben-Traube in die Hand gedrückt und Brot. Der Mann erzählt, dass er eigentlich in Südkorea lebt und arbeitet. Seine Frau und die Kinder hingegen leben in Moskau. Nur die Sommerferien verbringt die Familie gemeinsam in der Heimat. Mir wird deutlich, wie gut wir es haben. Die, die wir aus Fernweh und freien Stücken reisen, und nicht aus purer Lebensnotwendigkeit.

Wir schießen zum Abschied noch ein gemeinsames Foto. Auf dem Mini-Fotodrucker drucke ich eine Kopie für die Familie und eins für die Pinnwand am Regal in unserem Abenteuermobil. Wir bekommen noch die Empfehlung, doch noch etwas weiter zu den höheren Seen zu fahren, es würde sich wirklich lohnen.

fishing for trout
Bei dem Panorama ist es fast wurscht, ob etwas beißt. (Foto: Julia Schoon)

Gesagt, getan. Am fünften See wird das Tal entlang eines Bachlaufs etwas weiter. Im Schneckentempo manövriere ich den Honda über das grobe Geröll bis zu einer ebenen Stelle für unser erstes gemeinsames Camp der Reise. Wir richten uns ein, die große Copilotin baut das Bodenzelt auf. Die kleine Copilotin besteht noch darauf, einmal die Angel in den klaren Bergsee auszuwerfen. Viel Überzeugungsarbeit muss sie bei mir nicht leisten. Dass wir heute Abend keine leckere Bachforelle aus dem Wasser ziehen, ist fast egal, bei dem Panorama am Wasser zu stehen, reicht uns heute völlig.

Sixth of the seven lakes, Tajikistan
Was für eine Aussicht!

Nach einer ruhigen Nacht in der klaren Gebirgsluft (eine Wohltat nach drei Tagen im stickigen Samarkand!) wollen wir noch etwas weiter nach oben. Weit müssen wir nicht fahren: Einen Kilometer weiter, an der Anhöhe über dem sechsten See, sind wir überrascht, eine Bergwiese am Seeufer, ein Stück ab der Straße zu sehen. Wir folgen dem Geröllweg dort hin. Es stellt sich heraus, dass die Wiese zu einem Guesthouse gehört. Ich mache den Besitzer ausfindig, wir einigen uns auf einen Preis. Eine steile Abfahrt führt hinunter auf die Wiese. Wir richten uns zwischen ein paar alten Bäumen ein. Zwei Tage verbringen wir am See, chillen und tanken Kraft für die kommenden Abenteuer.

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